Mit dem heutigen Beitrag rücken wir das Thema Grundfarben in den Fokus. Die Vielseitigkeit des Guppy zeigt sich neben den Deckfarben auch in den Grundtönen des Guppy, so kann der Guppy hell weißlich oder gelb erscheinen, aber auch leicht blau. Um diese blauen-grauen Guppys der Grundfarbe Blau geht es heute.

Grundfarbe Blau – Duo oder Trio ?

Die Grundfarbe Blau teilt sich in drei Unterkategorien auf. Blau2 ist dabei das sehr verbreitete Asiatische Blau, insbesondere bekannt durch die Zuchtform Blue Grass. Als Blau3 gilt das sehr seltene Hellblau. Die Grundfarbe Blau1 hingegen ist das bereits in den 1950er Jahren beschriebene europäische Blau. Einige Züchter sehen das Blau1 als verschollen an oder es gibt Zweifel, ob diese eben getroffene Unterteilung wirklich richtig ist.

Hier ein Zitat aus Gernot Kaden – Guppys – Farben, Formen, Fantasien (2018, Seite 22): “Neben dem ‘Europäischen Blau’ soll es noch ein ‘Asiatisches Blau’ geben, der Beweis steht aber noch aus.”

Wer sich die vorhandenen Fachpublikationen zu dem Thema anschaut wird einen deutlichen Unterscheidungspunkt herausfiltern: Die Grundfarbe Blau2 verändert im mischerbigen Fall (mit wildgrau) in einigen Fällen die Deckfarbe Rot zu Blau, dies tut die Grundfarbe Blau1 hingegen nicht.

Mit diesem Beitrag möchten wir die interessante Reise rund um das Thema Grundfarbe Blau starten. Für den Start dieser Beitrags-Serie konnten wir mit Tobias Bernsee einen bekannten Guppy-Genetik-Experten gewinnen. Tobi züchten unter anderem auch noch mit Blau1-Guppys.

Im weiteren Verlauf der Serie wollen wir durch Testkreuzungen ermitteln, ob die drei Blau-Varianten sich wirklich genetisch unterscheiden.

Tim Hermann

Herkunft meines Stammes mit Grundfarbe Blau1 (von Tobias Bernsee)

Ich habe meinen Stamm Grundfarbe Blau1 von Ramona Schütte (ehemals Osche) erhalten.

Ramona züchtete seit Anfang der 1990er Jahre einen Stamm Snakeskin Triangel auf Grundfarbe Blond und Grau mit partiell orangener Beflossung, welchen sie aus der Zoohandlung Peters in Wittenberge Prignitz/Brandenburg hatte. Dieser ging noch auf DDR-Bestände zurück, denn in damaliger Zeit kaufen die Zoohandlungen gerne Guppys von privaten Züchtern zum Weiterverkauf an. Kommerzielle Importe aus Asien oder Nahost waren zu dieser Zeit kaum üblich, große Zoofachmarktketten gab es zu dieser Zeit noch nicht und die Baumärkte hatten keine Aquaristik-Abteilungen. Aus diesem Stamm fielen immer wieder auch Tiere mit der Grundfarbe Blau1 die teilweise auch leicht rötliche Flossen hatten, sowie weitaus seltener doppeltrezessiv grundfarbig weiße Tiere mit schwarzen Augen.

Im Jahre 2005 gab es in Duisburg von Zoo Zajac einen Internationalen Guppy-Contest. Ich besuchte diesen Contest und bekam von Luke Roebuck, einem Guppy-Preisrichter aus Kalifornien, ein Männchen IFGA Halbschwarz Purple für Ramona, welches sie in diesen Stamm einkreuzte um die Körpergröße und Flossenform zu verbessern. Da Snakeskin auf der Grundfarbe Blau1 unsichtbar ist, bzw. nicht ausgeprägt wird, wurde die Zuchtzielsetzung bzgl. der Deckfarbe mehr oder weniger so umgestaltet.

Die Einkreuzung und deren Resultate

In der F1 aus dem USA Männchen und den Snakeskin von Ramona fielen nur Grundfarbe graue Tiere.

Die F2 des IFGA Männchen konnte ich bei einem Besuch fotografisch festhalten. Durch den Einfluss des IFGA Halbschwarz Purple zeigten sich die Tiere mit reinerbig Blau1 Grundfarbe mit tintenblauer Beflossung und auch der Schwanzstil war durch das HS entsprechend dunkel pigmentiert (zu sehen im Beitragsbild).

Die Tiere, die neben Blau1 auch noch reinerbig auf Blond waren hatten eine weiße Grundfarbe mit schwarzen Augen, leider zeigten sich aber auch hier rauchige Verfärbungen im Rot. Die Körpergröße und Qualität der Beflossung hatte aber ordentlich zugelegt.

Der GZD ist ein Zusammenschluss aus CAGD und GPH. Auch der DGD gesellt sich zu unserer Freude nun dazu. Im heutigen Beitrag blicken wir auf die Geschichte des GPH – Guppyklub “Paul Hähnel” zurück und erstellen damit eine Hommage an die Wurzeln unseres Clubs.

Teil 1 – Die Zeiten als Regionalgruppe

GPH-Patenschaftsvertrag 22.10.1987

Alles begann als Franz Zeipelt 1981 von Erfurt nach Liepgarten, nahe der Stadt Ueckermünde zog und seine Guppystämme mitbrachte.
Er konnte in den folgenden Jahren mehrere Aquarianer für die Guppyzucht gewinnen.
Am 22.10.1987 wurde der Guppyklub “Paul Hähnel” innerhalb der Gesellschaft der Guppyzüchter in Deutschland im Kulturbund e.V. (GGD) als eine Art Regionalgruppe gegründet und ein Patenschaftsvertrag mit einem größeren Unternehmen der Region abgeschlossen.

Der Klub erhielt die Bezeichnung zur Ehrung von Paul Hähnel, geboren am 18.4.1902 in Sachsen und am 1.7.1969 in den USA verstorben. Er war einer der berühmtesten Guppyzüchter des 20.Jahrhunderts.

Paul Hähnel (*18.04.1902, +01.07.1969)

Durch die Beschickung internationaler Ausstellungen gab es zu DDR-Zeiten für die Züchter zumindest eine kleine Illusion von Freiheit und eine Verbindung zu Vereinen und Züchtern in den westlichen Ländern. Dies war ein interessanter Aspekt für einige Mitglieder.

Die Zuchterfolge blieben nicht aus und Ueckermünde wurde zu einer kleinen Hochburg der Guppyzüchter in Europa.
Die Mitglieder des Vereins errungen eine Vielzahl an Meisterschaftstiteln auf inter- und nationaler Ebene (Deutsche Meisterschaften, Europameisterschaften und Weltmeisterschaften).

Dadurch ergaben sich die Möglichkeiten EM-Ausstellungen in Ueckermünde auszurichten. Hierfür verfügte der Klub über eine Ausstellungsanlage mit ca. 250 Becken.
Genutzt wurde diese beispielsweise für
– die EM-Ausstellung 1989 mit 8000 zahlenden Besuchern,
– die IKGH-Tagung 1991,
– den EM- und DM-Durchlauf 2005 im Ueckermünder Tierpark,
– 2008 Internationale Guppyausstellung und DM-Durchlauf
– sowie die EM- und DM-Ausstellung 2012 im Ueckermünder Rathaussaal.

Die Variabilität des Guppys zeigt sich besonders in den zahlreichen Deckfarben, die er ausprägen kann. Der Züchter steht am Anfang vor einer schier endlos wirkenden Auswahl an Farbkombinationen. Mit einer recht neuen Farbkombination wollen wir das Thema Deckfarben einleiten.

Die Deckfarbe Platinum Japan Blau weist eine äußerst spannende Genetik auf. Es ist wie im Namen ersichtlich eine Kombination aus Metallic (bzw. in Japan Platinum genannt) und Japan Blau (bzw. Aquamarin in Japan). Werfen wir am Anfang einen Blick auf die einzelnen genetischen Merkmale und schauen uns dann die Kombination eingehender an.

Platinum

Platinum bzw. Metallic

Das Platinum ist eine gelblich / grünliche Farbe die den Vorderkörper bis zum Rückenflossenansatz bedeckt. Nach Gernot Kaden (Guppys – Farben, Formen, Fantasien 2018) traten die ersten Guppys dieser Deckfarbe 1986 bei einem österreichischen Züchter auf. Das Gen sitzt auf dem Y-Chromosom und bewirkt interessanterweise mit einem X-Filigran das Galaxy-Muster – eine weitere Deckfarbe die aus einer Kombination von unterschiedlichen Genen entsteht. Ich verwende lieber die Bezeichnung Platinum als Metallic, da hier meines Erachtens weniger Verwechslungen mit anderen Farbschlägen hinsichtlich der Bezeichnung gegeben sind.

Japan Blau

Japan Blau

Japan Blau ist ebenfalls eine eher junge Deckfarbe und fasziniert mit einem metallischen Blau auf dem Körper vom Ansatz der Rückenflosse bis zur Schwanzflosse. Das Japan Blau ist in der Regel auf dem Y-Chromosom lokalisiert, jedoch gibt es auch Stämme die es auf dem X-Chromosom tragen. Nach Gernot Kaden (Guppys – Farben, Formen, Fantasien 2018) und einigen Internetquellen wurden Wildguppys mit Japan Blau 1987 in einem Fluss der japanischen Präfektur Kanagawa gefangen und 1994 dem Fachpublikum vorgestellt.

Die Kombination von Platinum und Japan Blau auf dem Y-Chromosom

Die Deckfarbenkombination Platinum Japan Blau wird über das Y-Chromosom vererbt. Das heißt, bei meinem Stamm vererbt der Vater auf den Sohn beide Merkmale. Wie ist dies möglich, da eigentlich beide Merkmale ursprünglich getrennt auf verschiedenen Männchen (Stämmen) vorhanden waren? Laut Claus Osche hat der Japaner Taketoshi Sue diese Kombination geschaffen.

Nun ist ja mittels Crossover (mehr dazu hier) bei einigen Stämmen das Japan Blau bereits auf das X-Chromosom gelangt. Vermutlich wurde dieses Japan Blau in weiteren Kreuzungsexperimenten durch erneuten Crossover zurück auf das Y-Chromosom gebracht. Bei diesem Stamm war aber auch das Platinum bereits auf dem Y-Chromosom. So ist es gelungen das eigentlich Unkombinierbare zu kombinieren.

Zahlreiche Möglichkeiten durch weitere Farben auf dem X-Chromosom

Wenn schon zwei Farben auf dem Y-Chromosom stecken, dann geht es durch das X-Chromosom noch bunter. Bei meinem ersten Platinum-Japan-Blau-Stamm ist rotes Mosaik über das X-Chromosom hinzugefügt worden, so dass ein Männchen auf dem Körper vorne Platinum, hinten Japan Blau und auf den Flossen rotes Mosaik hat. Tobias Bernsee hat das Ganze dann noch auf die Grundfarbe Gold gebracht.

Wie in einem vorangegangenen Beitrag bereits beschrieben kann sich ein Guppy-Züchter selbst verwirklichen in dem er eigene Kreationen schafft. So habe ich meine Leopard-Weibchen und Männchen mit Platinum Japan Blau verpaart und so einen Platinum Japan Blau Leopard Guppy entstehen lassen. Als Leopard wird dabei eine Flossenvariante bezeichnet, welche sich durch eine gelbe Färbung mit schwarzen Flecken auszeichnet. Im Bild ist ein Männchen meiner aktuellen F3 auf Grundfarbe Gold zu sehen.

Platinum Japan Blau Leopard auf Grundfarbe Gold
Platinum Japan Blau Leopard auf Grundfarbe Gold

Ein weiteres Kreuzungsprojekt bei mir ist derzeit das Platinum Japan Blau auf die Grundfarbe Lutino zu bringen. Auf Lutino ist das Gelb des Platinum sehr intensiv, gerne berichte ich zu einem späteren Zeitpunkt von diesem Projekt.

Quellenangaben

Gernot Kaden – Buch Guppys – Farben, Formen, Fantasien 2018

http://www.guppyseite.de/index.php?content=japanblue

http://www.gkr-forum.de/t2338f168-Japan-Blue.html

Am Donnerstag den 28.04.22 fand unser April-Online-Meeting statt. Schwerpunkt war natürlich die Organisation unserer Guppy-Hochzucht-Ausstellung am 18.06.2022 in Schiphorst.

Flyer Schiphorst 18.06.2022

Torsten Rickert (Ritschi) berichtete über den aktuellen Stand bei den Sponsoren (hier werden wir noch ausführlicher berichten), Unterkünften für die anwesenden Richter und Mitglieder, Abendveranstaltungen und die Erweiterung der vorhandene Anlage. Für die bereits vorhandene Erweiterung der Anlage von 200 auf 250 Becken wurden noch einzelne Details erörtert. Ebenso wurde über die Tombola und die Präsentation unseres Club-Shop gesprochen.

Online-Wettbewerb 2022/2023

Wir möchten dem IKGH-Vorstand zwei Änderungen für den kommenden Winter-Online-Wettbewerb vorschlagen. Wir empfehlen bei den Online-Trio-Wettbewerben zukünftig wieder auf das zusätzliche Weibchen im Becken zu verzichten und nur noch ein volles 20 cm Maßband zuzulassen. Im Weiteren wollen im Januar 2023 selbst eine Online-Ausstellung durchführen.

Transport zu den nächsten Ausstellungen

Im Mai und Juni finden insgesamt vier Ausstellungen statt, wo es den Transport zu organisieren gilt. Hier haben wir den aktuellen Stand unserer Bemühungen besprochen. Eine entsprechende Mail ist an die Mitglieder rausgegangen.

Homepage

Über den weiteren Plan zum Aussehen und den Inhalten der Homepage wurde informiert. Wir haben eine entsprechende Email an unsere Mitglieder versandt, da ein Ziel ist, die gehaltenen Stämme und Projekte vorzustellen und wir entsprechende Texte, Bilder und Videos benötigen. So möchten wir erreichen, dass der Guppy-Hochzucht-Interessierte einen schönen Eindruck von der Vielseitigkeit der Guppy-Zucht bekommt.

Bewertungsschulung

Diesmal war der Vergleich von zwei Videos hinsichtlich der IHS-Bewertung ein toller Schlusspunkt unseres Meetings. Dazu wurde die entsprechende deutsche Übersetzung des IHS B2-Standards genutzt. Auf Basis der beiden Videos von sehr schönen Oberschwert-Paaren aus unserem Schulungsprojekt diskutierten wir über die Bewertungsunterschiede und damit Verbesserungsmöglichkeiten der beiden Blond-Filigranen Oberschwertern.

Online-Meeting April 2022